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Chef-Elefant tritt Job in russischem Porzellanladen an
by Georg Ohrweh on 2026-07-29 18:42

Wieder einmal macht Deutschland seinem Ruf alle Ehre: Ja, es ist wirklich das Land der Deppen und Doofen. Der neue deutsche Botschafter in Moskau heißt Clemens von Goetze. Adel verpflichtet – aber offensichtlich leider nicht zu einer wohlüberlegten Wortwahl.

Bei der Verabschiedung seines tüchtigen Vordiplomaten Lambsdorff verweigerte Frau Sacharowa ihm die Hand. „Wenn wir uns wiedersehen, werden wir uns freuen, wenn nicht, war der Abschied wohlgetan!“ Er war wohl eher wohlgetan.

Wie könnte man die Situation beschreiben: Da muss man einen Gast ertragen, weil er nun mal der neue Partner der geliebten Schwester ist. Einführung in die Familie auf der Geburtstagsfeier. Und was macht er? Er lässt gleich zu Anfang einen saudämlichen Satz los, bei dem alle gleichzeitig die Augen verdrehen und sich fremdschämen.

So einen Satz haut der Goetze, der die wertebasierte, westliche Grundordnung anbetet, gleich zu Anfang heraus, damit man ja nicht auf die Idee kommt, dass er wenigstens das Wort Diplomatie fehlerfrei schreiben kann, und auf Russisch schon gar nicht. Hier wäre es. Man hilft ja, wo man kann: Дипломатия

Die russischen Erwartungen sind wohl eh schon auf die Höhe einer dünnen Eisschicht heruntergeschraubt, da wäre man wohl eher vorsichtig und spränge besser nicht mit Anlauf aus 5 Meter Höhe herab. Aber nicht für den Clemens, der meint, er sei Hans im Glück, wird schon nichts passieren, falls er überhaupt nachgedacht hat, wohl eher nicht.

Tonio Koller, habe die Ehre, mit Wiener Akzent, Pressesprecher, Adlatus, Schlipsbinder, Knopfannäher, der wie verkleidet in seinem Anzug aussieht, und im Winter in Moskau sicher sehr frieren wird, fragt den absurdistanischen Herrn Botschafter, was denn seine ersten Eindrücke von Russland seien, und was er in den nächsten Jahren erreichen möchte.

Der antwortet mit dem Charme eines Handelsvertreters für Wäscheklammern: Danke für den freundlichen Empfang, den ich hier in Russland (von meinen Landsleuten aus der Botschaft) bekommen habe (ich konnte schon die ersten Wäscheklammern an die Frau und an den Mann bringen), aber auch in den ersten Begegnungen mit Russinnen und Russen (Außerirdische Begegnung mit der dritten Art, und selbstverständlich auch mit Russenden).

Das erinnert ein wenig an die Sissy-Filme mit Romy Schneider: Ich freue mich, endlich einmal in das schöne Ungarnland gekommen zu sein!

Erste Begegnungen mit Russinnen und Russen. Waren die bewaffnet? Mit Kalaschnikows unter dem Mantel? Anscheinend scheinen sie den von Goetze am Leben gelassen zu haben, vorerst, wo doch jeder im Westen weiß, wie blutrünstig die Russen sind, allen voran natürlich der böse Putin, der Deutschland immer noch nicht vorhat anzugreifen.

Jetzt gibt sich Deutschland doch so viel Mühe, Russland so negativ wie möglich darzustellen. Der Merz sagt immer, der Putin will nicht mit mir reden, damit wir Frieden machen können. Der Wadephul weiß, dass Russland immer unser Feind sein wird. Die Militärs der Bundeswehr patrouillieren persönlich an der Ostfront, jederzeit kann es losgehen. Die Reichsführerin und ihre Erfüllungsgehilfen haben in Brüssel das 21. Sanktionspaket geschnürt und mit DHL nach Russland geschickt. Und dann immer noch freundliche Russen? Da stimmt doch was nicht! Das kann doch nur die erste Falle sein.

Von Goetze sagt, er freue sich darauf, das Land und seine Menschen näher kennenzulernen, was darauf schließen lässt, dass er nicht die blasseste Ahnung hat, mit wem er es da zu tun hat und in welches Land man ihn geschickt hat. Wozu auch, Training on the Job, geht ja auch. Und das Ballett „Der Nussknacker“ von Pjotr Iljitsch Tschaikowski schon mehrmals zu Weihnachten gesehen zu haben, ist schließlich auch eine gute Vorbereitung.

Und dann die Aussage, für die ihm der Diplomatie-Nobel-Preis schon jetzt sicher ist:

Zur Frage nach seinen Zielen gibt er eine klare Antwort:

„Die russische Regierung muss den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine beenden. (Damit noch nicht genug!) Das ist nicht nur mein Wunsch, sondern auch der vieler Menschen in Russland (mit denen ich aber noch gar nicht richtig die Gelegenheit hatte, näher und länger zu sprechen).“

Genau so gut hätte er mit der flachen Hand auf einen Teller Spinat hauen können, auf das die grüne Pampe überall hin spritzt. Das hätte garantiert weniger Sauerei gegeben, als diese Aussage, gleich zu Anfang seiner sicher steilen deutsch-russisch-diplomatischen Erfolgsgeschichte. Doch man muss auch positiv sein. Immerhin hat er Russland nicht gleich, jetzt offiziell, in seiner Funktion als Botschafter, den Krieg erklärt.

Ist das nicht alles herzallerliebst?

Wäre nicht die natürlichste Reaktion der Russen gewesen, die Frage zu stellen, ob denn die Flugzeugtür noch offen sei?

Keine Ahnung von Land und Leuten haben, aber gleich schon eine dicke Lippe riskieren und mit gleich zwei Kardinalfehlern debütieren:

Was für eine Anmaßung, den Russen in den Mund zu legen, dass sein Wunsch auch der Wunsch vieler Russen sei. Woher hat der Diplom-Botschafter diese Informationen? Aus der tagesschau?

Weiter sollte ein Botschafter es tunlichst vermeiden, so war es jedenfalls einmal in der klassischen Diplomatie, die Regierung seines Gastlandes öffentlich zu kritisieren, geschweige denn, irgendetwas von seinem Gastland zu fordern.

Man fragt sich schon, wer hier bei wem in der Elefanten-Schule war. Von Goetze bei Baebock oder umgekehrt?

Man bekommt große Lust, die noch nicht ausgepackten Koffer gleich wieder in den Flieger zu laden, den Herrn von der unergoetzlichen Diplomatie gleich mit, und alles schnellst möglich außer Landes zu schaffen, bevor er überhaupt nur noch eine einzige weitere Gelegenheit hat, die wenigen verbliebenen, heilen Einzelstücke aus Porzellan auch noch kurz und klein zu trampeln.

Was für ein erbärmliches Debüt, und doch wie passend zu einem komplett verrückt gewordenen Land, das einmal einen so guten Ruf in der Welt hatte.

Gerade jetzt hätte es einen weltgewandten, intellektuell gebildeten, auf seine vorsichtige Wortwahl achtenden, feinfühligen, einfühlsamen, nicht ideologieverseuchten, wirklichen Diplomaten gebraucht, und nicht einen Holzfäller, der erst einmal mit der Axt alles kurz und klein schlägt, bevor er überhaupt nur Guten Tag auf Russisch sagen kann.

Über Moskau lacht die Sonne, über Deutschland die ganze Welt. Wohlverdient, bei dieser Ergänzung in dem ohnehin schon dicken Buch der Absurditäten, dessen Ende noch lange nicht geschrieben zu sein scheint.

 

 

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